Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.

Trachealkanülen-Management: Sprechventil und Sprechkanüle

1 Min. Lesezeit

Welche Voraussetzungen müssen Patienten mit geblockter Kanüle in der Dysphagie-Therapie erfüllen, damit der Einsatz von Sprechventilen bzw. Sprechkanülen in der logopädischen Therapie gelingt?

Sprechventil vs. Sprechkanüle

Zunächst eine kurze Gegenüberstellung von Sprechventil und Sprechkanüle.

Ein Sprechventil wird an Stelle der künstlichen Nase auf die Trachealkanüle gesetzt. Durch seinen Aufbau öffnet es sich bei der Inspiration und verschließt sich bei Expiration. Damit wird die Ausatemluft an der entblockten Trachealkanüle vorbei durch den Kehlkopf gelenkt und kann dort für die Phonation genutzt werden. Die Einatmung wird dabei nicht verändert und läuft weiter über die Kanüle. Bei einer blockbaren Trachealkanüle muss darauf geachtet werden, dass diese entblockt ist!

Sprechkanülen sind in unterschiedlichen Ausführungen verfügbar. Ihr Zweck ist es, die Expiration zu erleichtern. Entweder sind diese Trachealkanülen nicht blockbar, weil sie keinen Cuff besitzen, oder sie sind mit einer Fensterung bzw. Siebung versehen. Dadurch kann Luft bei der Expiration durch die Kanüle und durch die Siebung direkt zum Kehlkopf strömen.

Auch eine Sprechkanüle muss für die Phonation mit einem Sprechventil versehen werden, damit die Luft bei der Ausatmung umgelenkt werden kann.

Wann nutzt man ein Sprechventil?

Bei einer blockbaren Kanüle sollte man beachten, dass auch in entblocktem Zustand das Material des Cuffs in der Trachea den Raum zwischen Kanüle und Tracheawand verengt. Sprechventile sollten daher nicht für längere Zeiträume aufgesetzt werden. Sie eignen sich für eine kurze Kommunikation. Meiner Erfahrung nach aber nicht sehr für den Einsatz beim Schlucktraining. Aber gerade beim Schlucktraining ist ein Sprechventil sinnvoll, da es den physiologischen Atmungsstopp während des Schluckaktes stimuliert.

Ist das Ziel eine Oralisierung des Patienten, dann empfiehlt sich der Einsatz einer Sprechkanüle. Hier sollte man zunächst eine Variante wählen, die blockbar ist und eine Siebung besitzt. Für das Schlucktrainig wird die Kanüle dann entblockt und mit Sprechventil versorgt. Wenn der Schutz vor Apsiration aber wichtiger ist – nachts zum Beispiel, wird die Kanüle wieder geblockt und mit einer Innenkanüle versorgt, die die Siebung verschließt. Damit ist ein ausreichender Schutz der Atemwege gesichert.

Sofern die Fortschritte in Bezug auf das Schlucktrainig schon sehr gut sind und der Patient dauerhaft entblockt bleiben kann, sollte man den Einsatz einer Trachealkanüle erwägen, die nicht mehr geblockt werden kann. Diese kann auch für längere Phasen mit einem Sprechventil versehen werden.

Grundsätzlich ist die Wahl der richtigen Kanüle ein langer Prozess, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen und berücksichtig werden müssen. Meine Antwort ist daher nur sehr allgemein ausgefallen – soll nur die beiden Begriffe klären. Wie gehst du bei deinen Dysphagie-Patienten mit Trachealkanüle vor? Welche Kanülen verwendest du gern? Schreib mir gern einen Kommentar.

Ein klassisches Dekanülierungsschema

Dekanülierungsschema

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Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.