Hintergrund

Wie hoch ist der ideale Cuffdruck?

Im Rahmen des Trachealkanülenmanagements muss man sich Gedanken um den Cuff-Druck machen. In der Literatur finden sich unterschiedliche Daten zum optimalen Cuff-Druck....

Alexander Fillbrandt Geschrieben von Alexander Fillbrandt · 1 Min. lesen

Im Rahmen des Trachealkanülenmanagements muss man sich Gedanken um den Cuff-Druck machen. In der Literatur finden sich unterschiedliche Daten zum optimalen Cuff-Druck. Wie hoch sollte er sein und warum?

Cuff und Cuff-Druck

Der Cuff ist eine Manschette die mit Luft (manchmal auch Wasser) befüllt und damit aufgeblasen wird. Im Falle einer Trachealkanüle legt sich der Cuff an die Trachealwand und sorgt für eine stabile Position der Trachealkanüle. Außerdem sorgt ein aufgeblasener (=geblockter, gecuffter) Cuff für ein gewisses Maß an Aspirationsschutz, da er ein Hindernis für Aspirate bildet.

Die Trachea ist mit einer sehr dünnen Schleimhaut überzogen und sehr empfindlich. Damit an der Position des Cuffs diese Schleimhaut nicht verletzt wird, handelt es sich bei Cuffs handelsüblicher Trachealkanülen um Niederdruck-Manchetten. Diese dürfen bis maximal 30 mmHg befüllt werden.

mmHg steht für Millimeter-Quecksilbersäule und ist die Maßeinheit für Drücke von Körperflüssigkeiten – jedenfalls in Deutschland und der Schweiz. Daneben gibt es noch die Maßeinheit cmH2O. Sie steht für Zentimeter-Wassersäule und wird in der Industrie benutzt, um zum Beispiel die Dichtigkeit zu beschreiben. Die Werte von mmHg und cmH2O sind nicht identisch. 1 mmHg entspricht 1,3595 cmH2O.

Ein Blick auf den Cuffdruck-Messer gibt Klarheit. Auf der Anzeige wird immer auch angegeben, mit welcher Maßeinheit ein Cuff-Druck-Messer die Werte angibt. Zusätzlich sind oft noch grüne und rote Bereiche markiert.

Optimale Cuff-Druck-Werte

Die optimalen Werte sind 25 mmHg bzw. 33,988 cmH2O

Warum? Dazu muss man sich an die Anatomie erinnern: Der Nährstoff- und Sauerstoffaustausch im menschlichen Gewebe findet über die Kapillare statt. Die Blutkapillare sind sehr dünne Blutgefäße, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Ihr Druck liegt zwischen 25 und 35 mmHg. Wird von Außen ein höherer Druck auf die Kapillare ausgeübt, kann der Austausch von Stoffen zum Erliegen kommen. In diesem Fall entstehen Druckgeschwüre – Dekubitus.

Besonderheit beim Cuff-Druck

Zeigt ein Cuff-Druck-Messer 0 mmHg bzw. 0 cmH2O an, heißt das nicht, dass die Kanüle vollständig entblockt ist. Bei einem Kanülenwechsel muss mit einer Spritze die gesamte Luft aus dem Cuff entfernt werden. Verlässt man sich auf die Anzeige des Cuff-Druck-Messers, befindet sich noch Luft im Cuff, die beim Entfernen der Trachealkanüle zu Verletzungen am Tracheostoma führen kann.

Achtung auch bei Trachealkanülen mit einem Lanz-Ventil.

Lanz-Ventile bestehen aus einem außenliegenden Ballon, der die Blockung anzeigt und in einem geringen Maße als Ausgleichsventil dienen kann. Trachealkanülen dieser Bauart werden mit einer Spritze befüllt.

Quellen

Geschrieben von Alexander Fillbrandt
Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor. Profil

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