LogopädieNews Wir schreiben über Neuigkeiten rund um die Logopädie. Nicht tagesaktuell, aber immer mit therapeutischem Hintergrund.

Leidiges Thema: Patient kommt nicht zur Therapie

2 Min. Lesezeit

Es ist ein Übel und keine einfache Situation: Patientinnen und Patienten, die nicht zur Therapie erscheinen oder zu spät absagen. Wie geht man mit dem Ausfall um? Was für Möglichkeiten gibt es und welche nicht? Eine Bestandsaufnahme.

Ja, es kommt vor. Patientinnen und Patienten verschlafen Termine, vergessen Termine, sagen sehr kurzfristig ab oder auch gar nicht. Der Praxisbetrieb kommt dadurch durcheinander. Als logopädische Praxis muss man sich schon vorher Gedanken darüber machen, wie man mit diesen Ausfällen umgehen will.

Was logopädische Praxen nicht dürfen

Das Risiko für einen solchen Ausfall liegt bei der Praxis. Unternehmerisches Risiko nennt man das. Trifft es einen Termin einer angestellten Logopädin so kann die nichts dafür und sollte daher nicht mit Minusstunden “bestraft” werden. Sie ist schließlich in der Praxis – kann mangels Patient nur keine Therapie leisten. Dafür steht sie zu diesem Zeitpunkt für andere Tätigkeiten bereit. Berichte verfassen, Patientenakquise, Sortieren von Therapiematerial oder andere organisatorische Aufgaben können die Zeit überbrücken. Langweilen werden sich angestellte Logopädinnen und Logopäden in solchen Ausfallzeiten ganz sicher nicht.

Den Ausfall darf eine Praxis auch nicht dadurch zu kompensieren suchen, dass sie die – nicht stattgefundene – Therapieeinheit mit der Krankenkasse abrechnet. Das ist Abrechnungsbetrug, denn die Rahmenverträge mit den Krankenkassen sehen ganz eindeutig vor, dass die Abrechnung nicht erbrachter Leistungen ein schwerwiegender Vertragsverstoß ist. Was diese Leistungen sind, ist ebenfalls klar definiert: Die Heilmittel nach dem gültigen Heilmittelkatalog. Sogenannte Nebenleistungen werden nicht extra vergütet sind in den Preislisten für die sprach-, sprech-, stimm- und schlucktherapeutischen Leistungen enthalten.

Wir raten an dieser Stelle ausdrücklich davon ab, den Empfehlungen einer logopädischen Interessenvertretung diesbezüglich zu folgen. Die RVO-Kassen sind auf das Thema aufmerksam geworden und prüfen das Vorgehen intern.

Was logopädische Praxen machen können

Bei Ausfällen und kurzfristigen Absagen sollte man zunächst Prüfen, ob andere Patientinnen oder Patienten kurzfristig einbestellt werden können. Wahrscheinlich wird ein Ausfall so nicht immer kompensiert werden können – aber die Möglichkeit besteht mindestens theoretisch.

Entscheidend ist die Frage, warum es zu dem Ausfall kam. Einen oder mehrere Gründe wird es ganz sicher geben.

In der Regel wird es eine organisatorische Ursache auf Seiten der Patientinnen und Patienten sein. Die Konsequenz – ein bisschen weiter gedacht – könnte sein, dass die Wichtigkeit oder Notwendigkeit für die Therapie nicht erkannt wird. Ein Aufklärungsgespräch und ausführliche Beratung wird langfristig den größeren Erfolg haben.

Kurzfristig kann das privat in Rechnung stellen eines Ausfalls zum Umdenken führen – oder auch zum Verlust des Patienten. Aber auch hier ein bisschen weiter gedacht: Möchte man einen solch unzuverlässigen Patienten wirklich in der Praxis halten?

Es kann aber auch sein, dass praxisinterne Gründe für einen Anstieg der Ausfälle verantwortlich sind. Patientinnen und Patienten könnten sich bei der behandelnden Kollegin bzw. dem behandelnden Kollegen nicht wohl fühlen und zeigen durch ihr Fernbleiben dann eher eine Vermeidestrategie. Therapeutenwechsel oder klärende Gespräche führen aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer Besserung – und können der Praxis mit ihrem Team helfen, sich zu entwickeln.

Fazit: Ursachenforschung

Es ist immer besser zu heilen. Auch wenn wir Logopädinnen und Logopäden nur bei der Heilung in einem sehr eng umschriebenen Bereich tätig sind, stellt Ausfall zunächst ein Symptom für die Praxis dar, das sicher eine Ursache hat, die man sicher “heilen” kann.

Symptom ⇢ Ursache ⇢ Intervention. Das ist der Gedankenpfad. Nicht wilde, unbedachte Intervention und schon gar kein Betrug. Dann klappt’s auch mit den Patientinnen und Patienten.


Schreibt in den Kommentaren gern, wie ihr mit Ausfällen umgeht. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Was hat geholfen? Wir freuen uns auf eine Diskussion mit euch.

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