Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.

5 Dinge, die ein Logopäde nicht sagen darf

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In der Logopädie ist es wie in anderen Therapieberufen: Man redet mit Patienten. Besonders ist bei Aphasie-Patienten dabei, dass man ein Handwerkszeug einsetzt, mit dessen Umgang die Patienten Probleme haben – die Sprache. Daher sollte man als Sprachtherapeut besonders darauf achten, was man sagt. Hier die 5 wichtigsten Floskeln, die man als Therapeut besser nicht verwendet.

“einfach”

1. Für Patienten ist das, was sie in der Therapie tun sollen, nicht einfach. Zu sagen “… und dann schreiben Sie das einfach hier hin!” wird beim Patienten nicht gut ankommen.

Umgangssprachlich wird einfach ja eher inflationär verwandt, hat es sein Gewicht verloren. Im Rahmen der Therapie aber, kann es gut sein, dass Patienten sehr genau hinhören. Außerdem können Aphasie-Patienten mit eingeschränktem Sprachverständnis nicht gut trennen zwischen Floskel oder Füllwort und wichtigem Inhalt.

Funfakt Das Wort “einfach” hat es übrigens auch auf die Giftliste der Wörter, die man generell vermeiden sollte, geschafft.

“versprochen”

2. Auch, wenn man durch Berufserfahrung ein Gespühr entwickelt, wie es um die Prognose eines Patienten gestellt ist, sollte man sich davor hüten, konkrete Versprechungen zu machen.

“Und Ostern sind Sie wieder zu Hause!” kann das Vertrauen, das Patienten in das Reha-Team haben, nachhaltig zerstören. Besonders, wenn es dann doch nicht klappt. Oder was bei Kindern: “Wenn du deine Übungen regelmäßig machst, dann verspreche ich dir, dass du nie wieder lispelst.”

Tipp: Ich empfehle generell keine Prognosen abzugeben. Eine Motivation zur Therapie sind sie nicht, und wozu würde man es sonst sagen?

“Das wird schon!”

3. Damit verhält es sich ähnlich. Zugegeben, ein Versprechen steckt nicht dahinter. Aber es klingt oft abwertend, ist so undifferenziert, dass es bei Patienten bestenfalls ein kurzes positives Gefühl erzeugt, das schnell in Frust und empfundenes Desinteresse umschlägt.

Fehlt nur, dass man seinem Patienten dabei auf die Schulter klopft.

“Ich weiß, wie Sie sich fühlen.”

4. Das weiß man als Therapeut aber eben nicht. Wahrscheinlich kann man nachempfinden oder sich vorstellen, wie ein Patient sich fühlt. Aber auch der beste Therapeut weiß das nicht. Und das weiß der Patient, womit wir wieder beim Verspielen von Vertrauen sind.

Es ist wichtig, dem Patienten zu zeigen, dass man seine Situation versteht. Es ist ebenso wichtig, dass die Patienten merken, dass man auf ihrer Seite ist und ihnen zu helfen versucht. Am besten lässt sich das durch Handeln bewerkstelligen: an den richtigen Stellen unterstützen und in angemessenem Rahmen trösten. Aber ich finde, das sollte differenziert und mitfühlend passieren. Nicht mit einer nichtssagenden Floskel.

“wenn…, dann…”

5. Patienten setzen sich selbst häufig unter Druck. Das gilt sogar für die jungen Patienten. Mit Aussagen “wenn … dann…” erzeugt man innerhalb der Therapie einen zusätzlichen Erfolgsdruck. Suggeriert man doch, dass bestimmte Fähigkeiten erst wieder abrufbar sind, wenn eine andere Sache eingetreten ist.

Unabhängig vom Druck, den man damit aufbaut. Wenn man sich überlegt, was man mit dieser Aussage bezwecken will, sollte man versuchen, andere Worte zu finden. Geht es um Motivation? Das ist mit Erfolgsdruck schwer zu erreichen. Geht es um Beruhigung? Sicher auch dabei kein geschickter Weg.

Mehr?

Hast du Floskeln, die du auch nicht in der Therapie hören wollen würdest? Welche Aussagen vermeidest du in deinen Therapien? Schreib’ gern einen Kommentar.

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Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.