Therapie

Klinische Schluckuntersuchung: Würgreflex

Warum wird in fast jeder klinischen Schluckuntersuchung (KSU) der Würgreflex überprüft? Welchen Einfluss hat er auf den Schluckakt?

Alexander Fillbrandt Geschrieben von Alexander Fillbrandt · 1 Min. lesen

Im Rahmen der klinischen Schluckuntersuchung werden alle für den Schluckakt relevanten Funktionen überprüft, soweit das klinisch möglich ist. Dazu gehören die Schluckfähigkeit unterschiedlicher Konsistenzen aber auch die Funktion beteiligter Muskeln und Hirnnerven.

klinische Schluckuntersuchung

Die Überprüfung des Hirnstamms, der für die Steuerung des Schluckaktes verantwortlich ist, kann bei einer ausschließlich klinischen Betrachtung schwer sein. Dauert die orale Phase beispielsweise ungewöhnlich lange, kann dies ein Hinweis sein, für eine verzögerte Auslösung des Schluckreflexes – ausgehend vom Hirnstamm. Es kann aber auch ein Zeichen für eine gestörte Boluskontrolle und Affektivität sein – eher im Frontalhirn verortet. Die Überprüfung des Würgreflexes kann hier die Richtung weisen.

Würgreflex

Am Würgreflex sind zwei wichtige Hirnnerven beteiligt: der Vagus und der Glossopharyngeus, die beide im Nucleus ambiguus ihren Ursprung haben. Er wird bei der Berührung des Zungengrundes sowie des weichen Gaumens ausgelöst.

Funktion des Würgreflexes

Aufgabe des Würgreflexes ist es, bei unverträglicher Nahrung oder zu großem Bolus, diesen wieder aus dem Rachen zu befördern und so eine Aspiration zu verhindern. Damit ist das Würgen ein Schutzreflex, wie das Schlucken selbst auch.

Beim Würgen zieht sich die Rachenmuskulatur krampfhaft zusammen und presst die Nahrung oder den Fremdkörper wieder in die Mundhöhle. Mit so viel Druck, dass das Material umgehend ausgespuckt wird.

Würgreflex ist trainierbar

Wenn man bei Google nach Würgreflex sucht, sollte man nicht nur Ergebnisse aus dem Bereich der Medizin erwarten. Zuweilen ist das Würgen auch Gegenstand von Fragen zum zwischenmenschlichen „Austausch“.

In den Antworten zu einschlägigen Fragen lernt man dann, dass sich der Würgreflex durch Habituation abschwächen lässt. Das trifft zu, denn der Würgreflex gehört zu den sogenannten polysynaptischen Reflexen (Fremdreflexen), bei denen sich der Ort des Auslösens vom Ort der Reflexreaktion unterscheidet.

Zusammenfassung

Es gibt Menschen, die haben eine sehr schnell auslösenden Würgreflex und solche bei denen der Reflex fast gar nicht stimuliert werden kann. Dies kann angeboren oder eben antrainiert worden sein. Zudem ist der Würgreflex kein wichtiges Element des Schluckaktes, wohl aber ein Schutzreflex.

Ihn bei jeder klinischen Schluckuntersuchung zu überprüfen, ist nicht immer sinnvoll. Ihn zu kennen und eine Überprüfung als hilfreiches Element der Schluckuntersuchung anzusehen, dass bei Bedarf eingesetzt werden kann, ist hingegen wichtig.

Auch ist es wichtig, einen unter Umständen leicht auszulösenden Würgreflex bei der therapeutischen Mundpflege zu beachten.


Quellen

  • Suchergebnisse bei Google
  • Seite „Würgreflex“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Januar 2016, 12:57 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=W%C3%BCrgreflex&oldid=150847589 (Abgerufen: 31. Juli 2016, 10:42 UTC)
  • Seite „Würgereflex“. In: DockCheck Flexikon. Bearbeitungsstand: 18. Juni 2018. URL: https://flexikon.doccheck.com/de/Würgereflex (Abgerufen: 04. Mai 2019)
Geschrieben von Alexander Fillbrandt
Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor. Profil

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