Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.

Gefährlicher Speichel – Wichtigkeit der Mundpflege

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Die therapeutische Mundpflege ist ein wichtiger Teil der Dysphagie-Therapie. Durch die Stimulation verbessert sich der Schluckakt. Aber durch sie wird auch das Risiko bakterieller Atemwegserkrankungen drastisch gesenkt.

Zusammensetzung des Speichels

Der menschliche Speichel besteht zu 90 Prozent aus Wasser. Außerdem enthält er wichtige Stoffe wie Amylase und Proteine, die zur Vorverdauung der Nahrung wichtig sind und zum Beispiel Spuren von Fluorid, das dem Schutz der Schleimhäute und Zähne dient. Neben dem scherzlindernde Protein Opiorphin, sind ebenfalls antibakteriell und fungizid wirkende Faktoren zu finden. Der sogenannten Substanz P wird die Fähigkeit zugesprochen, das Auslösen des Schluckreflexes positiv beeinflussen. Belastbar belegt ist diese These allerdings nicht.

Die Menge an Speichel, die über den Tag produziert wird, liegt bei durchschnittlich 1,5 Litern. Bei Schluckgesunden, denn wenn auf Grund von fehlenden Reizen wie der Nahrungsaufnahme weniger Speichel produziert wird, reduziert sich die Menge auf durchschnittlich 0,6 Liter pro Tag. Diese Menge reicht nicht aus, um eine gesunde Mundflora zu erhalten. Durch vermehrte Mundatmung wird eine Austrocknung der Mundschleimhaut begünstigt und so kommt es dazu, dass sich Bakterien wie Escherichia coli, Staphylococcus aureus und andere grampositive Bakterien ausbreiten können. Der fehlende Mundschluss ist auch bei Patienten mit einer Trachealkanüle oft zu beobachten, mit den genannten Problemen.

Die Konsequenz

Diese Veränderung in der Zusammensetzung hat direkte Folgen. Dabei ist nicht zu unterschätzen, dass der “Geschmack” dieser Speichelzusammensetzung unangenehm ist, für Mundgeruch sorgt und so eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität bedeutet.

Eine zusätzliche Gefahr ergibt sich für Patienten dann, wenn sie regelmäßig Speichel aspirieren.

Bei Patienten mit einer Dysphagie besteht – unabhängig von der Ursache der Schluckstörung – die Gefahr von Aspiration oder sogar stiller Aspiration von Speichel. Bei einer bakteriellen Verseuchung des Speichels besteht daher auch die Gefahr einer bakteriellen Infektion der Atemwege.

Mit intensivierter Mundpflege gilt es, hier bakterielle Pneumonien zu verhindern.

Therapeutische Mundpflege

Anders ausgedrückt: Wenn man sich dieser Gefahr bewusst ist, erkennt man die Bedeutung der regelmäßigen Mundpflege bei Patienten mit Dysphagie und bei Patienten mit einer Trachealkanüle. Dies sollte nicht ausschließliche Aufgabe der Pflege sein. Auch Therapeuten – im speziellen die Logopäden – sollten die Inhalte ihrer Therapien anpassen und therapeutische Mundpflege als wichtiges Element in ihre Planung einbeziehen.

So lässt sich im Rahmen von Stimulationsübungen, F.O.T.T. nach Coombes und der funktionellen Schlucktherapie nach Bartholome Mundpflege durchführen: Borken auf der Zunge lassen sich mit Schwämmchen und Gaze entfernen, Ansammlungen von Speichel in den Wangentaschen können entfernt werden und durch gustatorische Reize kann die Speichelproduktion kurzzeitig angeregt werden.

Was benutzt du für die therapeutische Mundpflege? Dein Kommentar ist willkommen.

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Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.