Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.

Anleitung: Therapeutische Mundpflege

3 Min. Lesezeit

Man kann es nicht oft genug sagen: Die therapeutische Mundpflege ist ein wichtiges Element der Therapie bei Patienten mit einer Dysphagie. In ganz besonderem Maße gilt das für Trachealkanülen-Träger. Für Logopäden stellt sich damit die Frage nach dem Ablauf. Darum hier eine aktualisierte Anleitung.

Warum ist therapeutische Mundpflege so wichtig?

An anderer Stelle habe ich über die Zusammensetzung von Speichel geschrieben. Entscheidend für die Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit zu therapeutischer Mundpflege ist, dass Speichel bei verminderter Mundhygiene mit Bakterien verkeimt sein kann, die gefährliche Pneumonien auslösen. Eine Pneumonie durch Speichelaspiration ist nicht gut für den Körper, aber eine bakterielle Pneumonie ist ungleich gefährlicher und wahrscheinlicher.

Bei schweren Schluckstörungen ist die Gefahr der Aspiration höher und eine Trachealkanüle verhindert Aspiration nicht vollständig.

Zur Prophylaxe ist daher die therapeutische Mundpflege essentiell.

Zubehör

Für die therapeutische Mundpflege sind einige Hilfsmittel erforderlich. Dazu gehören:

  • Einmal-Handschuhe,
  • Zahnbürste,
  • Becher mit frischem Wasser,
  • je nach Vigilanz des Patienten: Zahnpasta, etwas Salviathymol o.ä. in Wasser gelöst oder frischer Pfefferminztee,
  • leerer Becher oder Spuckschale,
  • Kompressen in 10×10 cm,

Zusätzlich gibt es verschiedene Hilfsmittel, die zwar optional, aber ausgesprochen praktisch sind. Besonders, wenn man mit vigilanzgeminderten Patienten die Mundpflege durchführt oder einen Patienten mit schwerster Dysphagie betreut.

  • Schwamm (Dentips)
  • Schwamm mit Absaugmöglichkei
  • Zahnbürste mit Absaugmöglichkeit
Zahnbürste mit Möglichkeit zum Absaugen.

Die TheraTäsch von Ulrich Birkmann enthält einen Teil dieses Zubehörs. Man bekommt das Zubehör aber auch in der Apotheke, beim Versandhandel oder in Kliniken über den Einkauf.

Durchführung der Mundpflege

Vorbereitung

Auf einem kleinen Tablett lassen sich die benötigten Utensilien vorbereiten und bereitstellen.

Für die Mundpflege sollte der Patient angemessen gelagert sein. Das gilt für die therapeutische Mundpflege in besonderem Maße. Eine Lagerung unter neurophysiologischen Gesichtspunkten – zum Beispiel nach dem Konzept der F.O.T.T. – ist eigentlich keine Vorbereitung, sondern Teil der Therapie.

Ebenso wichtig ist es, den Patienten zu informieren. Im Besonderen auch solche Patienten, die in Bezug auf Vigilanz und Aufmerksamkeit eingeschränkt sind. Die Kontaktaufnahme sollte an den Händen beginnen und über die Arme, Schultern, den Nacken und Hinterkopf zum Gesicht gestaltet werden. Nähert man sich dem Gesicht und dem sehr sensiblen Mund des Patienten ohne eine solche Vorbereitung, ist das Risiko größer, einen Beißreflex auszulösen bzw. dass der Patient den Mund nicht öffnet.

Ablauf der Mundpflege

1. Als erstes gilt es, Sekret aus der Mundhöhle zu entfernen. Das kann entweder mit einer um einen Finger gewickelten Kompresse geschehen oder auch mit einem Schwamm mit Absaugmöglichkeit. Die Kompresse bzw. der Schwamm werden in frisches Wasser getaucht und anschließend leicht ausgedrückt. Sie sollten feucht, aber nicht triefend nass sein. Mit einer ausstreichenden Bewegung wird das Sekret aus dem Mund des Patienten nach vorn gestrichen oder direkt abgesaugt.

2. Im zweiten Schritt wird mit der Zahnbürste gearbeitet. Hierbei darf durchaus Zahnpasta zum Einsatz kommen, sofern der Patient ausreichend fähig ist zur Mitarbeit. Bei schläfrigen Patienten ohne aktive Mitarbeit sollte auf Zahnpasta verzichtet werden. In diesen Fällen eignet sich warmer Tee, mit dem die Zahnbürste leicht befeuchtet wird.

Mit Druck werden nun alle Zähne von allen Seiten und auch das Zahnfleisch gebürstet. Anschließend soll der Patient ausspucken – ist dies nicht möglich, ist eine Zahnbürste mit Absaugmöglichkeit ein sehr guter Ersatz. Oder der Mund wird mit leicht angefeuchteten Kompressen gereinigt.

3. Im dritten Teil geht es um die Reinigung der Zunge. Mit einem leicht angefeuchteten Schwamm (oder einer Kompresse um den Finger) kann diese längs und quer gebürstet werden. Sich lösende Verborkungen sollten nach vorn aus dem Mund gewischt und dort entfernt werden. Typische Zungenbürsten halte ich persönlich für nicht praktikabel. Viele Patienten kennen diese nicht von zuhause und reagieren teils eher abwehrend.

Zum Schluss sollten noch die Lippen des Patienten mit Kompressen gereinigt werden. Bei einer sehr trockenen Mundschleimhaut kommt es auch hier zur Bildung von Schuppen. Im Anschluss an die Reinigung der Lippen sollten diese mit einer Fettcreme gepflegt werden. Augen- und Nasensalbe erzielt ganz gute Effekte beim Rückfetten.

Häufigkeit

Die Mundpflege ist am effektivsten, wenn sie regelmäßig durchgeführt wird. Alle zwei Stunden wäre empfehlenswert. Nur drei Mal am Tag ist zu wenig. Daher sollten Pflegende und Angehörige unbedingt angelernt werden. Besonders bei Patientinnen und Patienten die zuhause versorgt werden, sind die Angehörigen immer dankbar für Tipps, wie sie hilfreich aktiv werden können.

Das Ziel ist, die Häufigkeit bakterieller Lungenentzündungen bei Dysphagie-Patienten zu reduzieren. Gemeinsam schaffen wir das!

Giveaway

Kleines Giveaway zum Schluss. Diesen Artikel gibt es auch als Broschüre als Download. Schau mal bei madoo.net vorbei:

Anleitung zur therapeutischen Mundpflege

Hast du noch weitere Tipps oder Anregungen für eine effektive therapeutische Mundpflege? Schreibe deine Antwort auf diese Anleitung. Die besten Antworten nehme ich in die Anleitung auf.

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Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.