Hintergrund

Können Medikamente Dysphagien auslösen?

Können Medikamente eine Dysphagie auslösen oder als Nebenwirkung haben?

Alexander Fillbrandt Geschrieben von Alexander Fillbrandt · 1 Min. lesen

Medikamente können eine Dysphagie auslösen oder als Nebenwirkung haben. Bestimmte Wirkstoffe können den Schluckakt negativ beeinflussen und so eine Dysphagie auslösen. Dabei muss man unterscheiden, ob es sich um eine Nebenwirkung des Medikaments handelt oder ob durch die Art und Weise der Verabreichung die Störung verursacht wird.

Mundtrockenheit (Xerostomie)

Manche Medikamente verursachen Mundtrockenheit und können damit Schluckstörungen verursachen. Aus Mundtrockenheit muss sich keine Dysphagie entwickeln, aber es ist nicht untypisch, dass Patienten mit trockener Mundschleimhaut Probleme beim Schlucken haben.

GruppeWirkstoff
ACE-Hemmer
Anwendung bei Bluthochdruck
Captopril
Lisinopril
Antiarrhythmika
Behandlung ventrikulärer Herzrhythmusstörungen
Disopyramid
Mexiletine
Antiemetikum
gegen Brechreiz und Übelkeit
Meclozin
Metoclopramid
Prochlorperazin
Antihistaminika
und abschwellende Medikamente
Chlorphenamin
Pseudoephedrin
Diphenhydramin
Calciumantagonisten
Behandlung von Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit und Herzrhythmusstörungen
Amlodipin
Diuretika
Zur Ausschwemmung von Wasser aus dem menschlichen Körper
Etacrynsäure
SSRI
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sind Antidepressiva
Citalopram
Sertralin
Paroxetin
Escitalopram

Außerdem können Antipsychotika und Neuroleptika Mundtrockenheit verursachen.

Mundtrockenheit und Bewegungsstörungen

Neben der Mundtrockenheit können Medikamente aus der Gruppe der Neuroleptika und Antipsychotika zu Bewegungsstörungen führen, die auch die am Schlucken beteiligte Muskulatur betreffen können. Diese Bewegungsstörungen ähneln denen des Morbus Parkinson. Vor allem die folgenden Wirkstoffe können parkinsonoide Bewegungsstörungen auslösen, es sind hoch- und mittelpotente Neuroleptika.

Sensibilitätseinschränkung

Durch Medikamente verursachte Einschränkungen der Sensibilität kann es ebenfalls zu einer Beeinträchtigung des Schluckaktes kommen.

Gerade lokal wirkende Anästhetika, die im Rahmen von HNO-ärztlichen Untersuchungen oder zahnmedizinischen Interventionen eingesetzt werden, sind hier zu nennen. In der Regel ist dies ein Medikament auf Procain-Basis.

Tubuläre Störungen

Die Muskulatur im Ösophagus kann durch Medikamente in ihrer Flexibilität und Funktion eingeschränkt werden, was wiederum zu einer Dysphagie führen kann.

WirkstoffIndikation
Benztropine MesylateWirkt gegen Bewegungsstörungen und um motorische Unruhe als Nebenwirkung von Neuroleptika auszugleichen.
OxybutyninBei übermäßigem Harndrang und Bettnässen eingesetzt.
PropanthelineZum Beispiel als Pro-Banthine gegen starkes Schwitzen.
TolterodineBei übermäßigem Harndrang bei Erwachsenen.

Dysphagie durch therapeutische Intervention

Die Verabreichung bestimmter Medikamente kann es ebenfalls zu einer Dysphagie führen. Besonders, wenn sie direkt auf das zentrale Nervensystem wirken.

GruppeWirkstoff
Antiepileptika
gegen Krampfanfälle
Carbamazepin
Gabapentin
Phenobarbital
Phenytoin
Valproinsäure
Benzodiazepine
Angstlösende Medikamente und Schlafmedikamente
Alprazolam
Clonazepam
Clorazepat
Diazepam
Lorazepam
Anästhetika
Schmerzlinderung und Anästhesie
Codein
Fentanyl
Dextropropoxyphen
Muskelrelaxantien
Gegen Spastiken zur Lockerung der Muskulatur
Baclofen
Tizanidin

Bei Botulinumtoxin, das sowohl bei Dystonien als auch in der Kosmetik zum Einsatz kommt, kann es durch fehlerhafte Injektion – also iatrogen – zu einer Lähmung umliegender Regionen kommen. Unter Umständen kann auch dadurch eine Störung im Schluckakt kommen.

Auch bei Chemotherapie, Radiatio (Bestrahlung) und Operationen zur Behandlung von Krebs besteht im Hals- und Kopfbereich die Gefahr, dass eine sekundäre Dysphagie auftritt. In solch einem Fall sind es häufig Verhärtungen im Gewebe und Mundtrockenheit, die ursächlich für die Dysphagie sind.

Quelle

  • KM Balzer (2000) Drug-Induced Dysphagia. International Journal of MS Care: March 2000, Vol. 2, No. 1, pp. 40-50. doi: http://dx.doi.org/10.7224/1537-2073-2.1.40
Geschrieben von Alexander Fillbrandt
Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor. Profil

4 Kommentare zu “Können Medikamente Dysphagien auslösen?”

  1. Mal ganz spontan das Häufigste, das und im Alltag begegnet:
    Anti-Epileptika können parkinson-ähnliche Nebenwirkungen machen;
    einige Medikamente machen Mundtrockenheit, was das Schlucken tlw. erheblich beeinträchtigt.

  2. Ich habe einen Parkinson-Patienten mit extremem Speichelfluss, sogar nachts. Ich bin mir sicher, dass das an den Medikamenten liegt.
    Therapeutisch hilft einzig das Kaugummikauen etwas im Alltag. Alle anderen Übungen bringen so gut wie nichts.

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