Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.

Aspiration – warum ist sie gefährlich?

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Wer täglich mit Patienten arbeitet, die eine Dysphagie haben, der wird sich früher oder später die Frage stellen (müssen), was eigentlich bei einer Aspiration passiert.

Aspiration

Von Aspiration spricht man, sobald Speichel oder Nahrung unterhalb des Stimmlippenniveaus gelangen. Also die Schranke der Glottis durchbrechen.

Damit befindet sich das Aspirat bereits in den unteren Atemwegen, ein Blick auf diese Strukturen ist für die Beantwortung der Fragen daher wichtig.

Die unteren Atemwege

Vom Larynx aus betrachtet, beginnen die unteren Atemwege. Die Glottis bildet die Grenze nach oben. In diesem Bereich sind in der Schleimhaut Rezeptoren zu finden, die ein Husten auslösen. Besonders sensibel ist die innere Seite des Schildknorpels. Für kleinere Mengen aspirierten Materials ist hier ebenfalls eine anatomische Schranke: der Übergang zum Ringknorpel bildet innerhalb der Trachea eine kleine Wulst, die unter normalen Bedingungen hilft, dass Aspirat nicht tiefer rutscht und von dort durch Husten entfernt werden kann.

An den Kehlkopf schließt sich die Trachea an. Die Luftröhre ist zwischen zehn und zwölf Zentimeter lang und teilt sich in die zwei Hauptbronchien. Diese teilen sich jeweils weiter bis in kleinste Verästelungen und münden im Lungengewebe. Dieses besteht aus den Alveolen. Die Alveolen sind kleine Bläschen, die von kleinsten Blutgefäßen umschlungen für den Gasaustausch zuständig sind.

Reinigungsfunktion

Die Bronchien sind mit einer Schleimhaut überzogen, die mit sehr kleinen Flimmerzellen überzogen ist. Diese Flimmerzellen haben an ihrer Oberfläche kleine Härchen, die kleinste Partikel auffangen können und durch einen wellenförmige Bewegung diese Partikel weiterreichen. Durch dieses “Flimmern” können Partikel bis hoch zum Kehlkopf und aus der Lunge transportiert werden. Endgültig entfernt werden sie dann durch Räuspern und Schlucken.

Eine weitere Reinigungs wird vom Imunsystem übernommen. Die Makrophagen (Fresszellen) nehmen den Stoff auf und zersetzen ihn enzymatisch. Die Abbauprodukte und die Zellen selbst werden durch den Blutkreislauf “entsorgt”.

Mit diesen beiden Reinigungsmechanismen ist die Lunge in der Lage, sich weitgehend selbst zu helfen, sollte es zu einer Aspiration kommen.

Keime

Problematisch wird es, wenn durch ein geschwächtes oder zu stark belastetes Immunsystem Keime die Möglichkeit haben, sich auszubreiten. In diesem Fall kommt es zu einer Pneumonie. Diese muss in den meisten Fällen antibiotisch behandelt werden.

Zusätzlich wird mit Inhalation das Sekret in der Lunge und Bronchien verflüssigt, um einen Abtransport zu erleichtern. Auch Medikamente, die die Atemwege weiten, können im Falle von Aspiration helfen, die Reinigungsfunktion der Lunge positiv zu beeinflussen.

Gefahr einer Pneumonie durch Aspiration

Die Pneumonie entsteht also durch die Keimbelastung in der Lunge. Dabei haben unterschiedliche aspirierte Stoffe ein unterschiedliches Gefährdungspotentiale. Milchprodukte sind durch ihre Zusammensetzung oft keimbelastet, ebenso stark zuckerhaltige Produkte, die einen guten Nährboden für Bakterien liefern.

Der Speichel, durch seine antibakteriellen Inhaltsstoffe, ist oft weniger problematisch, allerdings gilt das nur bei einer gesunden Mundflora. Schlechte Mundpflege bei schluckgestörten Patienten erhöht das Risiko einer Lungenentzündung erheblich, weil in solchen Fällen der Speichel stark keimbelastet ist und diese Keime bei Aspiration in die Lunge gelangen können.

Diagnostik

Erste Hinweise auf eine Lungenentzündung erheben sich durch Fieber und ansteigenden Entzündungswerte wie CRP.

Lungenentzündungen lassen sich im Röntgen durch Schattierungen erkennen. Durch verstärkte Aktivität des Immunsystems kommt es in Lungenbereichen zu einer Verdichtung, die sich als “Netz” oder Schatten im Röntgenbild erkennen lässt.

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Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.