Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.

Nostrifikation Logopädie in Österreich

3 Min. Lesezeit

Wenn man als Logopäde aus Deutschland nach Österreich umsiedeln möchte, dann steht man vor der Aufgabe, seine berufliche Qualifikation zunächst anerkennen lassen zu müssen. Die Ausbildung und auch das Studium in Deutschland sind im europöischen Vergleich nämlich schlecht. Auf alle Fälle nicht gleichwertig, denn in Deutschland fehlen ausreichende Kenntnisse in Audiometrie und Pädaudiologie.

Die entsprechenden Aufgaben fallen in Österreich und zum Beispiel den USA nämlich den Logopädinnen und Logopäden zu. Daher darf man sich als deutscher Logo in Österreich erst einer Nostrifikation unterziehen.

Da ich genau das gerade mache, wollte ich hier den typischen Weg skizzieren, damit ihr im Bedarfsfall wisst, wie es geht.

Wichtig: frühzeitig handeln

Plant viel Zeit ein. Soviel vorweg. Alles in allem wird es mindestens zwei Monate dauern, die nötigen Unterlagen und die Anerkennung zu erhalten. Haltet ebenfalls ein bisschen Geld bereit, denn einen mittleren dreistelligen Betrag wird der Vorgang ebenfalls kosten.

Es beginnt mit einem Blick auf die Internetseite der in Österreich zuständigen Stelle. Das Bundesministerium für Soziales und Gesundheit – das Sozialministerium – ist die entscheidende Behörde. Sie bearbeitet den Antrag und wacht über das Verfahren.

Für diesen gibt es eine Vorlage. Wichtig ist, dass sie von euch selbst unterschrieben ist (unterfertigt nennt das der Österreicher). Zum Antrag gehören ein paar Dokumente, die ihr mitschicken müsst:

Zunächst natürlich eure Berufsurkunde beziehungsweise eure Bachelor-Urkunde. Eine beglaubigte Kopie muss es sein. Außerdem braucht ihr ein polizeiliches Führungszeugnis im Original, das nicht älter als drei Monate ist bei Antragsstellung.

Von euren bisherigen Arbeitgebern braucht ihr Arbeitszeugnisse, die eure Tätigkeiten und Schwerpunkte auflisten. Auch wenn ihr noch als Logo tätig sein solltet zum Zeitpunkt der Antragstellung, müsst ihr von einem Hausarzt oder Allgemeinmediziner eine Bescheinigung haben, dass ihr für den Beruf Logopädin/Logopäde geeignet seid. Das geht in der Regel sehr schnell, aber die Bescheinigung muss euch vorliegen.

Wenn ihr schon in Österreich wohnt, braucht ihr einen Meldezettel. Den habt ihr bei der Anmeldung am Wohnort bekommen. Wenn ihr noch in Deutschland wohnt, müsst ihr jemanden in Österreich finden, der eure Post annimmt und für diese Person müsst ihr eine Zustellvollmacht ausstellen und eurem Antrag beifügen. Auf so einer Zustellvollmacht müssen beide unterschreiben!

Bis hier sind es schon eine menge Unterlagen, aber noch nichts, was sich nicht leicht organisieren ließe. Nicht vergessen darf man einen unterschriebenen Lebenslauf.

Certificate of good standing

Schwieriger ist der nächste Punkt. Ihr braucht eine Bescheinigung, dass eure Berufserlaubnis nicht widerrufen wurde. Also nur die Berufserlaubnis reicht nicht. Glücklicherweise ist diese Bescheinigung, die ein Certificate of good standing ist, bei den deutschen Behörden bekannt. Das fand ich erstaunlich, gerade weil es bei mir sehr lange gedauert hat, bis ich einen Ansprechpartner ausmachen konnte. Den Antrag für diese Unbedenklichkeitsbescheinigung stellt ihr bei der Behörde, die die ursprüngliche Berufserlaubnis ausgestellt hat. Wer sein Examen beispielsweise in Hessen gemacht hat, der hat Pech und wendet sich an das Regierungspräsidum in Darmstadt. Wer in Rheinland Pfalz die Erlaubnis erworben hat, hat etwas mehr Glück und wendet sich an die Gesundheitsbehörde in Landau.

Pech in Hessen? Die Unbedenklichkeitsbescheinigung in Hessen kostet runde 120 EUR, in Rheinland Pfalz knapp 33 EUR. Beiden gemein ist, dass ihr auch hier ein Führungszeugnis benötigt, eine beglaubigte Kopie eurer Berufserlaubnis und eine Erklärung, dass aktuell keine juristischen Verfahren gegen euch laufen. Schlussendlich braucht ihr von eurem aktuellen oder letzten Arbeitgeber ein Arbeits- bzw. Zwischenzeugnis.

Audiologie

Das war für die Anerkennung noch nicht alles. Die Ausbildung in Deutschland hat den Nachteil, dass Inhalte aus dem Bereich Audiometrie fehlen. Diese müsst ihr vor Antrag auf Anerkennung nachholen. Vorher, das ist wichtig, denn sonst seht ihr euch in Österreich an einer FH eine Prüfung absolvieren. Insgesamt braucht ihr den Nachweis, dass ihr 200 Stunden in den Bereichen Audiometrie und Pädaudiologie als Praktikum absolviert habt. Sucht euch also einen Hörgeräteakustiker oder eine Audiologische Abteilung einer Klinik und macht ein Praktikum. Wenn es nicht ganz 200 Stunden sind – die Stunden aus der Ausbildung bzw. dem Studium zählen mit.

Apropos Stunden im Lehrplan. Den müsst ihr auch mitliefern. Am besten wendet ihr euch an die Schule oder Hochschule an der ihr die Berufserlaubnis erworben habt und lasst euch eine Stundenübersicht zusenden. Wenn das nicht geht, kann die Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Logopäden (LogAPrO) helfen. Dort sind die Mindeststunden aufgelistet, aber eben auch nur die Mindeststunden.

Ab die Post

Habt ihr alle Unterlagen könnt ihr den Antrag auf Anerkennung nach Österreich schicken oder persönlich vorbei bringen. Macht ihr letzteres, nehmt euren Reisepass mit! Beim Postweg fügt eine Kopie eures Ausweises bei oder einen Staatsangehörigkeitsnachweis.

Dann heißt es warten. Je nach Eindeutigkeit eurer Unterlagen dauert es ein bisschen. Rechnet mit vier Wochen. Am Ende bekommt ihr eine Zahlungsaufforderung. 300 EUR werden fällig, wahrscheinlich etwas mehr.

Das Sozialministerium in Österreich bietet für manche Berufe ein One-Stop-Verfahren, bei dem Abgabe des Antrags und Prüfung nur rund eine Stunde dauern. Für die Logopädie gibt es das nicht. Über euren Antrag wird immer im Einzelfall entschieden.

Viel Erfolg! Wenn ihr nämlich in Österreich arbeiten wollt, dann führt kein Weg an der Anerkennung vorbei. Aber ihr arbeitet dann in einem Land in dem die Logopädie einen gefühlt höheren Stellenwert hat und das zwar kein schönes Kosewort für uns Deutsche bereit hält, uns aber mag.

Wir sehen uns in Wien.

Checkliste

Dokumente für die Nostrifikation:

  • Formloser Antrag mit Adresse und E-Mail
  • Lebenslauf
  • Prüfungszeugniss
  • Führungszeugnis
  • Berufsurkunde, Bachelorurkunde
  • Bescheinigung, dass Berufserlaubnis nicht widerrufen wurde (Certificate of good standing)
  • Nachweis Staatsangehörigkeit (Kopie Reisepass)
  • Arbeitszeugnisse
  • Ärztliches Zeugnis über die Eignung zur Berugsausübung
  • Lehrplan der Ausbildung mit Angabe der Stunden pro Fach
  • Nachweis über 200 Stunden Praktikum in der Audiologie und Pädaudiologie

Hilfereiche Links und Downloads

5
Alexander Fillbrandt Alexander Fillbrandt ist Logopäde mit den Schwerpunkten Trachealkanülenmanagement und Dysphagie. Er schreibt gern über logopädische Themen und ist begeisterter Therapeut, Dozent und Autor.