Hintergrund

Tabletten bei einer FEES als Konsistenz?

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Die Überprüfung unterschiedlicher Konsistenzen gehört für mich zu den grundlegenden Elementen einer Schluckuntersuchung nach FEES-Standard. Nicht selten geht es in der Fragestellung auch um die Gabe von Medikamenten.

Die FEES ist ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit. Dabei ist es mir ein Wichtiges, meine Berichte so exakt wie möglich zu formulieren aber auch so viele essentielle Ergebnisse zu sichern, wie möglich.

Konsistenzen bei einer FEES

Bei einer FEES werden unterschiedliche Konsistenzen überprüft. Es geht dabei darum zu evaluieren, ob ein Patient in der Lage ist, feste Kost, Flüssigkeiten, halbfeste Kost oder auch Mischkonsistenzen gefahrlos zu schlucken. Noch zu selten werden dabei aber ebenfalls Tabletten getestet.

Gerade ältere Patienten haben aber im Mittel bis zu fünf unterschiedliche Medikamente regelmäßig zu nehmen. Die meisten Medikamente in Kliniken und Einrichtungen sind hier Tropfen und Tabletten. Tropfen werden bei einer FEES in der Regel überprüft – durch Schluckversuche mit flüssiger Testkost.

Jetzt anzunehmen, Tabletten würden durch Schluckversuche mit fester Kost auch überprüft, ist falsch. Tabletten verhalten sich allein schon dadurch anders als zum Beispiel ein Keks oder Brot, dass sie in der Regel nicht zerkaut werden und daher nicht zu einem Bolus geformt werden können. Tabletten stellen also sehr wohl eine weitere Konsistenz dar, deren Verarbeitung im Rahmen einer FEES überprüft werden muss.

Sind Tabletten wirklich anders?

TablettenTabletten sind anders, weil sie also in der oralen Phase des Schluckaktes nicht zu einem Bolus geformt werden. Sie sind aber vor allem deswegen anders, weil es sehr gute Gründe gibt, Tabletten als ganzes – also unzerkaut und ungemörsert zu schlucken.

Die wenigsten Tabletten dürfen gemörsert werden!

Dr. Frank Hanke, ein Pharmakologe, hat dies auf der Tagung der Deutschen interdisziplinären Gesellschaft für Dysphagie (DGD) in München sehr eindrucksvoll vorgetragen: Durch das Mörsern wird die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs um bis zu 80 Prozent verringert und damit die erwünschte Wirkung des Wirkstoffes dramatisch reduziert. Dies gilt nicht für die unerwünschten Wirkungen, die bei gemörserten Medikamenten in der Regel unverändert auftreten.

Mörsern, das am Rande, ist eine typische Tätigkeit bei der Herstellung von Medikamenten und daher ureigenstes Handwerk der Apotheker und nicht der Pflegenden im Rahmen der Verabreichung.

Lösung

Da viele Medikamente in Form von Tabletten verabreicht werden, gehört die Überprüfung dieser Konsistenz zur Schluckuntersuchung dazu. Mit Hilfe von Placebos lässt sich das leicht realisieren. Sollte sich herausstellen, dass Tabletten vom Patienten nicht ausreichend sicher geschluckt werden können, sollte man sich im interdisziplinären Team Gedanken über Alternativen machen – viele Wirkstoffe stehen auch in anderer Form zur Verfügung: als Tropen oder Infusionen. Im Zweifelsfall gilt: „… fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!“.

Flüssige Medikamente lassen sich in angedickten Getränken verabreichen. Infusionen sind auch bei schwer dysphagischen Patienten möglich.

Take Home Message

Bei der Befundung und Behandlung schluckgestörter Patienten gilt es, auch Medikamente im Blick zu haben. Nicht nur auf Grund ihrer Wirkung sondern auch in Bezug auf ihre Verabreichung.

Kann ein Patient Tabletten nicht ausreichend sicher oral verarbeiten, sind die Alternativen bei den Medikamenten zu suchen und nicht in einer „Verarbeitung“ vor Verabreichung.

Übrigens hat sich gerade in der Geriatrie gezeigt, dass Tabletten sich mit Fruchtmus besser schlucken lassen als mit einem Glas Wasser oder Joghurt.

Quelle

Hanke F, Rittig T, Simonis D, Mohra A et al: Konsensuspapier – Bedarfsgerechte Medikation bei neurologischen und geriatrischen Dysphagie-Patienten. MMW-Fortschr. Med. Originalien, 2014, II, 64-71.

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